Zum Inhalt springen

Ratgeber

Dunkeladaption und Rotlicht beim Beobachten

Veröffentlicht am

Hinweis: Diese Seite enthält Werbelinks (Affiliate-Links) zu Amazon. Kaufen Sie über einen solchen Link, erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich der Preis nicht. Mehr dazu

Wer nachts an den Himmel blickt, sieht mit der Zeit immer mehr Sterne. Das liegt an der Dunkeladaption der Augen. Ein kurzer Blick auf ein helles Display macht diesen Gewinn zunichte. Hier lesen Sie, wie die Anpassung funktioniert, wie lange sie dauert und wie Sie mit Rotlicht und kluger Beleuchtung arbeiten.

Wie die Augen sich anpassen

Die Netzhaut enthält Stäbchen für das Sehen bei wenig Licht und Zapfen für Farben bei hellem Licht. In der Dunkelheit werden die Stäbchen empfindlicher, weil sich der Sehfarbstoff regeneriert. Dieser Prozess läuft über Minuten. Die Pupille weitet sich zusätzlich, sodass mehr Licht eintritt.

Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist ein Großteil der Anpassung erreicht, die volle Empfindlichkeit kann länger dauern. Alter, Gesundheit und Lichtbelastung vor der Beobachtung spielen eine Rolle. Wer sich lange im Hellen aufgehalten hat, braucht oft mehr Zeit.

Warum Rotlicht hilft

Die Stäbchen sind für rotes Licht weniger empfindlich als für blaues oder grünes. Rotes Licht stört die Dunkeladaption daher weniger. Deshalb verwenden Astronomen rote Taschenlampen, um Karten, Geräte und Einstellungen zu lesen, ohne die Augen zu blenden.

Das Rotlicht sollte gedimmt sein. Zu helles Rotlicht beeinträchtigt die Anpassung ebenfalls. Eine einfache Rotlicht-Stirnlampe mit Dimmfunktion ist praktisch, weil sie beide Hände frei lässt.

Taschenlampen, Handy und Displays

Weißes Licht, etwa von Taschenlampen oder Handy-Displays, setzt die Anpassung zurück. Selbst ein kurzer Blick kann Minuten kosten. Stellen Sie Apps auf Nachtmodus mit roter Anzeige und dimmen Sie die Helligkeit maximal. Manche Apps haben dafür einen Rotfilter. Alternativ kleben Sie rote Folie auf die Lampe.

Auch Geräteanzeigen am Teleskop und an Steuerungen können blenden. Viele Handsteuerungen haben Rotlicht-Displays. Wenn nicht, hilft Abkleben mit transparenter roter Folie.

Streulicht minimieren

Neben Lampen stören Autoscheinwerfer, Nachbarn und Straßenlaternen. Schirmen Sie sich mit einer Decke, einem Zelt oder einem Windschutz ab. Setzen Sie Mütze oder Kapuze auf, um seitliches Licht zu reduzieren. Bei der Beobachtung am Okular hilft es, ein Tuch über Kopf und Okular zu legen, wie bei einem Fotografen, um das Auge abzuschirmen.

Planen Sie den Standort so, dass Straßenlicht nicht direkt ins Gesicht fällt. Mehr zu Standorten: Dunkle Orte und Sternenparks und Lichtverschmutzung und Bortle-Skala.

  1. 1

    Mindestens 20 Minuten vor Beobachtungsbeginn in die Dunkelheit gehen.

  2. 2

    Weißes Licht vermeiden, nur gedimmtes Rotlicht nutzen.

  3. 3

    Displays auf Nachtmodus stellen und dimmen.

  4. 4

    Streulicht abschirmen.

  5. 5

    Beobachten und Augen nicht mit hellen Blicken stören.

Abgewandtes Sehen

Eine Technik für schwache Objekte ist das abgewandte Sehen: Man schaut leicht neben das Objekt, sodass das Licht auf die empfindlicheren Stäbchen am Rand der Netzhaut fällt. Dadurch erscheinen schwache Nebel und Galaxien heller. Probieren Sie es an Objekten wie der Andromeda-Galaxie, siehe Andromeda-Galaxie finden.

Mit Übung gelingt das besser. Wechseln Sie zwischen direktem und abgewandtem Blick und merken Sie sich, wo das Objekt am besten erscheint.

Alter, Gesundheit und Brillen

Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit zur Dunkeladaption ab, und die Pupille öffnet sich weniger weit. Das ist normal. Brillenträger sollten ein Okular mit ausreichendem Augenabstand nutzen, siehe Fernglas für Brillenträger. Bei Sehproblemen oder auffälligen Veränderungen sprechen Sie mit einer Augenärztin oder einem Augenarzt.

Alkohol, Nikotin und Müdigkeit können das Sehen bei Dunkelheit beeinträchtigen. Gönnen Sie sich eine ausgeruhte Beobachtung.

Praxisbeispiel

Sie kommen aus dem hell erleuchteten Haus in den Garten. Nach fünf Minuten sehen Sie nur wenige Sterne. Nach 25 Minuten ohne Weißlicht treten die schwächeren Sterne des Kleinen Wagens hervor. Ein kurzer Blick aufs Handy mit hellem Display setzt die Anpassung zurück, und Sie müssen erneut warten. Mit Rotlicht und gedimmter App bleibt die Empfindlichkeit erhalten.

Kurz zusammengefasst

Geben Sie den Augen 20 bis 30 Minuten, meiden Sie Weißlicht, nutzen Sie gedimmtes Rotlicht und schirmen Sie Streulicht ab. Mit abgewandtem Sehen holen Sie mehr aus schwachen Objekten.

Rotlicht-Ausrüstung im Überblick

Geeignet sind Stirnlampen mit Rotlicht-Modus und regelbarer Helligkeit, rote LED-Taschenlampen oder rote Folie vor Lampen. Achten Sie darauf, dass das Licht wirklich rot ist und nicht orange mit hohem Blauanteil. Prüfen Sie die Helligkeit am dunklen Standort: Sie sollte gerade ausreichen, um Karte und Einstellungen zu lesen. Manche Lampen haben einen Schalter, der versehentlich auf Weißlicht springt. Kleben Sie in dem Fall den Weißlicht-Schalter ab oder wählen Sie ein Modell mit reinem Rotlicht.

Für Geräte wie Handsteuerungen, Laptop-Bildschirme und Kameras gibt es Rotfolien oder Software-Filter. Testen Sie Ihre Ausrüstung vor dem ersten Einsatz zu Hause im abgedunkelten Raum, damit am Beobachtungsort alles funktioniert.

Kurz-Check

Zeit einplanen, Weißlicht meiden, Rotlicht dimmen, Displays abschirmen, Streulicht blocken, abgewandt sehen üben. Mit diesen Gewohnheiten holen Sie aus jedem Himmel mehr heraus und beobachten entspannter.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Anpassung? Etwa 20 bis 30 Minuten, die volle Empfindlichkeit teils länger.

Ist jedes Rotlicht geeignet? Gedimmtes, rotes Licht ist am besten. Zu hell stört es.

Kann ich Brille tragen? Ja, achten Sie auf Okulare mit ausreichend Augenabstand.

Was, wenn ich geblendet werde? Schließen Sie die Augen kurz und warten Sie ab.

Was Sie dafür brauchen