Ratgeber
Porro- oder Dachkantprisma im Fernglas
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Kurz gesagt
Beide Prismensysteme richten das Bild im Fernglas wieder auf. Porroprismen sind im Aufbau einfacher, das Fernglas wird breiter und zeigt oft einen etwas plastischeren Bildeindruck. Dachkantprismen erlauben die schlanke, gerade Bauform, die heute die meisten Ferngläser haben, brauchen aber aufwendige Beschichtungen und eine genaue Fertigung.
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Wer ein Fernglas aussucht, stößt auf die Begriffe Porro und Dachkant. Gemeint ist das Prismensystem im Inneren, das Sie von außen an der Form des Gehäuses erkennen. Diese Seite erklärt, warum Prismen überhaupt nötig sind, wie sich die beiden Bauformen unterscheiden und worauf es beim Kauf wirklich ankommt. Sie erfahren auch, warum die Prismenart allein noch nichts über die Bildqualität aussagt.
Wozu ein Fernglas Prismen braucht
Das Objektiv eines Fernglases erzeugt wie jede einfache Linse ein Bild, das auf dem Kopf steht und seitenverkehrt ist. Damit Sie die Welt aufrecht und seitenrichtig sehen, muss das Licht auf dem Weg zum Okular umgelenkt werden. Das übernehmen die Prismen. Sie spiegeln das Licht mehrfach durch innere Totalreflexion, ohne dass dafür Spiegelschichten nötig wären.
Nebenbei verkürzen die Prismen den Lichtweg. Das Fernglas wird dadurch deutlich kürzer, als es bei einer reinen Linsenanordnung wäre. Ein Aufbau mit Objektiv, Prismen und Okular ist in der Abbildung zum Fernglas gut zu erkennen.
- 1Objektiv: sammelt das Licht, sein Durchmesser steht in der Typenbezeichnung
- 2Prismen: drehen das Bild wieder aufrecht und falten den Lichtweg
- 3Okular: vergrößert das Zwischenbild für Ihr Auge
- 4Fokussierrad: stellt beide Seiten gemeinsam scharf
- 5Dioptrienausgleich: gleicht Unterschiede zwischen den Augen aus
- 6Augenmuschel: hält den Abstand zum Auge, bei Brillen eingedreht
Porroprisma: der klassische Z-Aufbau
Beim Porroprisma, benannt nach dem italienischen Optiker Ignazio Porro, wird das Licht in einem Z-förmigen Weg durch zwei Prismen geführt. Objektiv und Okular liegen deshalb nicht auf einer Achse, sondern versetzt. Die Objektive sitzen weiter außen als die Okulare. Das ergibt die typische breite Form mit den ausgestellten Tuben.
Ein häufig genannter Nebeneffekt ist der größere Abstand der Objektive. Er kann den räumlichen Eindruck verstärken, weil die beiden Augen das Motiv aus etwas unterschiedlicheren Blickwinkeln sehen. Wie stark Sie das wahrnehmen, ist individuell. Der Aufbau ist optisch einfach, die Prismen reflektieren das Licht ohne Zusatzmaßnahmen sauber. Dafür brauchen Porro-Ferngläser mehr Platz und sind oft etwas schwerer und sperriger.
Dachkantprisma: die gerade Bauform
Beim Dachkantprisma liegen Objektiv und Okular auf einer Linie. Das Licht wird im Prisma so gefaltet, dass das Gehäuse gerade und schlank bleibt. Gängige Bauarten heißen Schmidt-Pechan und Abbe-König. Die erste ist besonders kompakt, die zweite lässt etwas mehr Licht durch, ist aber länger und schwerer.
Die gerade Form liegt gut in der Hand, passt in Taschen, lässt sich leichter abdichten und ist beim Schutz gegen Staub und Feuchte im Vorteil. Deshalb sind fast alle modernen Ferngläser mit Wasserdichtigkeit Dachkant-Modelle. Mehr zu den Angaben zur Abdichtung lesen Sie unter Wasserdicht, stickstoffgefüllt, IPX7.
Warum Dachkantprismen aufwendiger sind
Ein Dachkantprisma teilt das Licht an der Dachkante in zwei Teilstrahlen. Diese legen minimal unterschiedliche Wege zurück, ihre Lichtwellen laufen dadurch gegeneinander versetzt. Ohne Gegenmaßnahme sinken Kontrast und Schärfe. Hersteller setzen deshalb Phasenkorrekturbeschichtungen ein, die diesen Versatz ausgleichen.
Auch die Dachkante selbst muss sehr präzise geschliffen sein. Das macht die Fertigung anspruchsvoller als beim Porroprisma. Bei hochwertigen Dachkant-Ferngläsern sehen Sie daher häufig Hinweise auf Phasenkorrektur und auf verspiegelte oder dielektrische Prismenbeschichtungen. Bei Porro-Modellen sind solche Zusatzmaßnahmen nicht nötig.
Die beiden Bauformen im Vergleich
Die Tabelle fasst die typischen Unterschiede zusammen. Einzelne Modelle können abweichen, gerade in der Oberklasse.
| Kriterium | Porroprisma | Dachkantprisma |
|---|---|---|
| Gehäuseform | breit, Tuben versetzt | gerade, schlank |
| Größe und Gewicht | meist sperriger | meist kompakter |
| Aufbau der Prismen | einfach | aufwendiger, Phasenkorrektur nötig |
| Räumlicher Eindruck | oft etwas ausgeprägter | je nach Modell etwas flacher |
| Abdichtung | technisch aufwendiger | technisch einfacher |
| Typischer Einsatz | Beobachtung zu Hause, am Stativ | Wandern, Reisen, Vogelbeobachtung |
Hinweis:Die Prismenart sagt nichts über die Gesamtqualität. Linsen, Beschichtungen, Mechanik und Fertigung entscheiden über das Bild.
Welche Bauform passt zu welchem Einsatz
Für unterwegs ist die schlanke Dachkantform meist die praktischere Wahl: Sie ist leichter zu greifen, passt in eine Jackentasche und ist häufiger wasserdicht ausgeführt. Wer Ferngläser dieser Art sucht, findet im Ratgeber Beste Ferngläser eine Auswahl nach Einsatz. Kompakte Reisemodelle sammelt der Ratgeber Kompakte Ferngläser.
Porro-Ferngläser sind sinnvoll, wenn das Gerät vor allem zu Hause am Fenster, auf dem Balkon oder am Stativ genutzt wird. Auch für die Beobachtung des Nachthimmels sind sie beliebt, weil große Objektive mit guter Lichtstärke bei dieser Bauform vergleichsweise einfach umzusetzen sind. Wann ein Fernglas und wann ein Teleskop für den Himmel besser passt, klärt der Beitrag Teleskop oder Fernglas für Sterne.
Worauf Sie beim Kauf stattdessen achten sollten
Die Prismenart ist nur ein Kriterium unter mehreren. Wichtiger für den Alltag sind Vergrößerung und Objektivdurchmesser, die Austrittspupille, das Sehfeld, der Augenabstand bei Brillenträgern und die Ergonomie. Wie Sie die Zahlen auf dem Gehäuse lesen, steht in Fernglas-Zahlen: Was 8x42 bedeutet.
Prüfen Sie außerdem, ob die Linsen vollständig vergütet sind, ob die Augenmuscheln sich verstellen lassen und ob der Fokus gleichmäßig läuft. Das gilt für beide Prismenarten gleichermaßen. Vergleichen Sie Modelle nach ihren Angaben und der Verarbeitung, nicht nur nach dem Prismensystem.
Häufige Fragen
Ist ein Dachkantprisma besser als ein Porroprisma? Nicht grundsätzlich. Dachkant bedeutet schlankere Bauform und einfachere Abdichtung, Porro bedeutet einfacheren optischen Aufbau. Die Qualität hängt von der Ausführung des einzelnen Modells ab.
Woran erkenne ich die Prismenart von außen? Am Gehäuse. Gerade Tuben mit Objektiv und Okular auf einer Linie sind Dachkant, versetzte und ausgestellte Tuben sind Porro.
Was bedeutet Phasenkorrektur? Es ist eine Beschichtung auf dem Dachkantprisma, die den Laufzeitunterschied der beiden Teilstrahlen ausgleicht. Sie dient dem Kontrast und der Schärfe und ist bei Dachkant-Ferngläsern ein Qualitätsmerkmal.
Eignen sich Porro-Ferngläser zum Wandern? Sie sind möglich, aber sperriger und seltener wasserdicht. Für Touren sind Dachkant-Modelle meist die bequemere Wahl.
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